Im Rahmen des diesjährigen Festivals der Erika-Mann-Grundschule in den Uferstudios fand am 23. Mai das gleichnamige Podiumsgespräch mit Kooperationspartner:innen und ehemaligen Schüler:innen der Schule statt.
Das Gespräch war Teil des Moduls ERIKA, das künstlerische Beiträge unterschiedlicher Sparten mit einem Diskurs- und Austauschformat verbindet. Inspiriert durch die Namensgeberin der Schule, die nicht nur Schauspielerin, Kabarettistin und Schriftstellerin, sondern auch politische Rednerin und Netzwerkerin war, setzte die Schule es in diesem Jahr zum zweiten Mal um.
Konzipiert wurde das Modul von Nanine Schulz, der kulturbeauftragten Lehrkraft der Schule mit Unterstützung durch Dagmar Lunow, Leitung des Fachbereichs Theater und Anne Krause, Kulturagentin der Schule.
Zwei Premieren machten den Anfang
Den Anfang machten zwei Premieren: Das generationsübergreifende, mit TanzZeit entwickelte Stück „Erika ufert aus: Eine Welle kommt selten alleine“, in dem Kinder, Eltern und Pädagog:innen gemeinsam auf der Bühne standen und der sich anschließende Film „Die Schule ist meine Schule – Kulturelle Bildung wirkt“, der anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Namensgebung der Schule in 2024 entstanden ist.
Jan Krebs (Gesicht Zeigen!), der das Podiumsgespräch mit einem Impuls eröffnete, machte gleich zu Beginn deutlich, dass die beiden vorangegangenen künstlerischen Beiträge schon sehr anschaulich verdeutlichten, warum eine weltoffene Demokratie, die vom Reichtum unterschiedlicher Sichtweisen und der Beteiligung verschiedener Menschen profitiert, Kulturelle Bildung brauche.
Er erinnerte an Paragraf 1 des Schulgesetzes des Landes Berlin, der Demokratiererziehung als zentrales Ziel von Schule definiert: „Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde, der Gleichstellung der Geschlechter und im Einklang mit Natur und Umwelt zu gestalten.“
Moderiertes Gespräch mit fachlichen Expertisen
Doch warum eignet sich Kulturelle Bildung besonders gut dafür, demokratische Werte zu vermitteln?
Im sich anschließenden, von Nanine Schulz und Anne Krause moderierten Gespräch, bereicherten weitere Kooperationspartner der Schule den Austausch mit ihren fachlichen Expertisen. Claudia Ehgartner (Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart) betonte, dass gerade die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst uns dabei helfen kann, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und auch Uneindeutiges auszuhalten. Sabine Kolbe (ErzählZeit) erinnerte an die Ganzheitlichkeit von Bildungsprozessen: „inwändig und auswendig“ lernen gehöre doch zusammen. Hier kommt die Kulturelle Bildung mit ihrer Methoden- und Formatvielfalt ins Spiel.
Anke Dietrich (Deutscher Kinderschutzbund Berlin/Netzwerk Frühkindliche Kulturelle Bildung) verwies auf die Wichtigkeit des Netzwerkens, gerade für die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft – auch eine Eigenschaft Kultureller Bildung, die immer besser in Gemeinschaft funktioniert. Dr. Bastienne Schulz (Freie Universität Berlin) ergänzte aus der Perspektive der Lehrkräftebildung, dass Tanz und Theater sowohl bei Kindern als auch bei zukünftigen Lehrer:innen unterschiedlicher Fächer durch gemeinsame ästhetische Erfahrungen Selbstwirksamkeit erzeugen. Diese Erfahrungen können zu mehr Toleranz und Verantwortungsübernahme führen.
Anwesende ehemalige Schüler:innen ordneten die Beiträge der Podiumsgäste aus ihren Perspektiven ein. Sie berichteten anschaulich, wie das Theaterspiel in der Grundschulzeit und die Teilnahme an künstlerischen Projekten sie nachhaltig geprägt haben: das gemeinschaftliche Bearbeiten von Themen im Theaterunterricht und die Mitsprache bei der Stückentwicklung, das Zusammenwachsen als Gruppe im künstlerischen Prozess und die stärkende Kraft von gemeinsamen Auftritten.
Zitate, Zitate, Zitate
Oder wie einige der befragten Schüler:innen auch im Jubiläumsfilm sagen:
„Beim Theaterstück macht es mir auch viel mehr Spaß, so laut zu sprechen und auch viel zu sprechen.“
„Beim Theaterspiel ist es so, dass das Zusammensein mit Menschen viel, viel besser dann klappt. Dass man dann viel, viel sozialer wird.“
„Eigentlich ist das einzig Wichtige die Gruppe und du.“



