Gruppenbild vorm Hamburger Bahnhof
(c) Catrin Schmitt

Ich mache bei uns bald auch einen Kinderrave

News

Am 19. und 20. März hat das Bundestreffen der Kulturschulen stattgefunden

Eine Reportage von Lena Fiedler // Alle Fotos und Fotogalerie am Ende des Beitrags (c) Catrin Schmitt

„Es war einmal eine Schreibmaschine namens Erika, die in einem Land lebte, wo es dem König ein Dorn im Auge war, wenn viel geschrieben wurde, deswegen legte er sie in Ketten, sodass sie fortan nur noch vier Buchstaben schreiben konnte“.

Drei Teilnehmende stehen vor einem Kunstwerk im Hamburger Bahnhof in Berlin und erzählen diese Geschichte. Sie haben sich in das Objekt hineinversetzt, sprechen leise, konzentriert, fast verschwörerisch. Die anderen hören zu und überlegen, welche Sprechhaltung sie wahrnehmen. „Ein Märchen“, sind sich alle einig.

Perspektivwechsel ermöglichen

Dann spricht die Gruppe hastig, überschlägt sich, beschwert sich lautstark – Berliner Tonfall inklusive. Gelächter. Die Teilnehmenden haben sichtlich Freude daran, sich Kunst auf diese ungewohnte Weise anzunähern.

Dabei ist die sogenannte Flüsterführung eigentlich ein Format der Kunstvermittlung für Kinder. Beim Bundestreffen „re:ferenzen/re:sonanzen+“ der Kulturschulen wird sie kurzerhand mit Erwachsenen erprobt. Für den Berliner Kulturagenten Carsten Cremer ist genau das der Punkt: Perspektivwechsel ermöglichen, Routinen aufbrechen.

„An diesen zwei Tagen soll innegehalten werden. Wir wollen Abzweigungen nehmen, zufällige Begegnungen ermöglichen und spontan sein“, sagt Cremer. Rund 80 Lehrer:innen, Kulturagent:innen sowie Vertreter:innen aus Kulturinstitutionen und Verwaltung sind aus mehreren Bundesländern nach Berlin gekommen. Ihr gemeinsames Anliegen: kulturelle Schulentwicklung weiterdenken – im Netzwerk.

(c) Catrin Schmitt

Auftakt im Hamburger Bahnhof

Der Auftakt findet im Hamburger Bahnhof statt, einem der bedeutendsten Häuser für Gegenwartskunst in Deutschland. Die stellvertretende Direktorin Gabriele Knapstein begrüßt die Teilnehmenden und betont die gewachsene Zusammenarbeit zwischen Museen und Schulen. „Museen sollten keine Friedhöfe für Kunstwerke sein“, ergänzt Kunstvermittlerin Laureline van den Heuvel. Kunst müsse erfahrbar, diskutierbar, lebendig sein.

Aber wie nähert man sich der Kunst? Das ist die Frage, die über diesen zwei Tagen steht. Eine klassische Konferenz mit Vorträgen und Keynotes ist das Treffen bewusst nicht. Stattdessen geht es direkt in die Praxis: Workshops, Gespräche, künstlerische Formate. Erwachsene krabbeln durch Ausstellungsräume, improvisieren, performen. Für manche bedeutet das auch, die eigene Komfortzone zu verlassen – durchaus gewollt.

„Wir müssen den Ort Schule gedanklich verlassen“, sagt Cremer. „Er ist oft nicht dafür gemacht, offene Fragen zu stellen oder eigene Perspektiven zu entwickeln.“

Bundesweiter Austausch

Das Bundestreffen ist Teil eines längerfristigen, bundesweiten Austauschs. Bereits 2024 kamen (diese aber auch andere) Kulturschulen erstmals in dieser Form zusammen. Ausgangspunkt ist die sogenannte Länderrunde Kulturelle Bildung, ein Zusammenschluss von Vertreter:innen aus Bildungs- und Kulturministerien, der im Kontext des Programms „Kreativpotentiale“ der Stiftung Mercator der in den 2020er Jahren entstand. Ziel ist es, Kulturelle Bildung dauerhaft in Schulsystemen zu verankern und den bundesweiten Austausch zwischen Praxis, Politik und Zivilgesellschaft zu stärken. Das Treffen in Berlin knüpft daran an – und macht sichtbar, dass kulturelle Schulentwicklung eine gemeinsame Aufgabe ist.

Das ist auch das zentrale Ziel des Kulturagentenprogramms in Berlin (in Trägerschaft der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung), das Gastgeber:in des Bundestreffens ist.  Seit über 15 Jahren begleitet es Schulen dabei, künstlerische und kulturelle Angebote systematisch in ihre Entwicklung zu integrieren. Kulturagent:innen wie Carsten Cremer fungieren als Schnittstellen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen, initiieren Kooperationen und unterstützen langfristige Prozesse. Ziel ist es, Kulturelle Bildung nicht als Zusatz, sondern als festen Bestandteil schulischer Praxis zu etablieren – „als Motor für Teilhabe, Persönlichkeitsentwicklung und demokratische Erfahrung“, wie Katharina Günther-Wünsch, Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, als Schirmherrin in ihrer Video-Botschaft sagt.

Kulturschulen als Impulsgeberinnen

Kulturschulen begreifen Kunst und Kultur als strukturelles Prinzip von Schule. Unterricht, Projekte und Schulentwicklung orientieren sich an künstlerischen Methoden und Haltungen – Offenheit, Experiment, Perspektivwechsel. Ursprünglich ging es auch darum, Kindern und Jugendlichen Zugänge zu Kultur zu ermöglichen, die diese sonst kaum hätten. Heute sind Kulturschulen wichtige Impulsgeberinnen für innovative Bildungsansätze.

Dass diese Ansätze wirken, zeigt sich in Gesprächen mit Teilnehmenden. Frank Duscha, langjähriger Lehrer am Gottfried-Herder-Gymnasium in Berlin, kommt gerade aus der oben genannten Flüsterführung. „Das ist eine super Methode – die wende ich sofort an meiner Schule an“, sagt er. Auch im Ruhestand bleibt er engagiert, sammelt Ideen für Kolleg:innen. Besonders schätzt er die MATERIAL:Box der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, die im Kontext des Programms entwickelt wurden: „Man bleibt ständig im Denken darüber, wie Kulturelle Bildung weitergehen kann.“

Voneinander Lernen

Genau darum geht es auch im Netzwerk: voneinander lernen, Erfahrungen teilen. „Die Idee ist, dass sich das als Graswurzelbewegung entwickelt“, sagt Cremer. Wissen soll nicht nur formal vermittelt, sondern informell weitergegeben werden – in Gesprächen, durch gemeinsames Erleben.

Wer gerne von den anderen lernen möchte, ist Jonas Niemeier. Er ist Kulturagent aus Oberhausen und fragt sich, wie andere Schulen Kooperationspartner:innen finden. Der Besuch des Hamburger Bahnhofs hat ihm bereits geholfen. Bei dem nächsten Gespräch mit einem Museum oder einer Galerie will er zukünftig erzählen, wie die Kunstvermittlung in anderen Städten läuft.

Im HKW steht die aktuelle Ausstellung im Mittelpunkt

Am Nachmittag wechselt die Gruppe den Ort. Ein gemeinsamer Spaziergang führt zum Haus der Kulturen der Welt (HKW), einem internationalen Zentrum für zeitgenössische Kunst und Diskurs. Dort steht die Ausstellung „Tirailleurs – Von Kanonenfutter zu Avantgarde“ im Mittelpunkt, die sich mit kolonialisierten Soldaten in europäischen Kriegen beschäftigt.

(c) Catrin Schmitt

Ein anspruchsvolles Thema – und doch Teil der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, sagt Kunstvermittler Daniel Neugebauer. Er und seine Kolleg:innen zeigen, wie sich komplexe Inhalte altersgerecht erschließen lassen. Die Teilnehmenden stehen vor einer Installation aus Erde, geordnet in rechteckigen Parzellen. Das Kunstwerk verweist auf ein Massaker im Senegal, bei dem Soldaten, die ihren Sold einforderten, ermordet und verscharrt wurden.

Neue Impulse für aktuelle Themen

Ist das hier für die Teilnehmenden gerade produktiv? „Ja total“, sagt Yara Matea Schäl. Lehrerin aus Potsdam. Sie unterrichtet Kunst und Geschichte und beschäftigt sich intensiv mit Perspektivwechseln im Unterricht. Die Ausstellung liefert ihr neue Impulse für aktuelle Themen – etwa für Diskussionen über koloniale Kontinuitäten oder Geschichtsbilder.

Auch andere Teilnehmende nehmen konkrete Anregungen mit. Stefanie Loh, Lehrerin aus Hannover ist zum zweiten Mal beim Treffen der Kulturschulen dabei. „Der Austausch ist genial, das war für uns ein riesiger Booster“, erinnert sie sich. Mit der Energie ist sie nach dem ersten Treffen zur Schulleitung: „Mathe, Bio, alles gut, aber Kulturelle Bildung ist auch wichtig.“

Neue Zugänge zu Museen

Und auch diesmal hat sie schon wieder viele neue Ideen gesammelt. Gerade sitzt Loh in dem Workshop eines Künstlers, der aus alten Aktenordnern Diaprojektoren baut. Aus einem Polaroidfoto kann er innerhalb von Minuten ein Dia anfertigen. Improvisation, Low-Tech, künstlerisches Arbeiten. Als das Foto in heißes Wasser gelegt wird, fangen die Lehrer:innen an zu lachen. Das sei für ihre Klassen schon zu gefährlich. Einer von ihnen überlegt. „Das würde den Älteren auch gefallen“. Aber die Kosten seien zu hoch und die Klassen zu groß. Aber dann: „Vielleicht muss man es einfach machen“. Loh hat sich für die zwei Tage vorgenommen, neue Zugänge zu Museen kennenzulernen.

(c) Catrin Schmitt

Sonja Hauss, Rektorin der Friedrich-Hölderlin-Schule in Asperg, geht es ähnlich. Sie fragt sich: „Wie kann ich kultur-ästhetisch mit Institutionen zusammenarbeiten?“ Sie fragt sich, welche Zugänge es zur bildenden Kunst gebe und wie sie die an Kinder gut vermitteln kann. Ihre Schule liegt im Raum Stuttgart, wo die Museen noch konservativere Orte seien. „In der Staatsgalerie ist es immer sehr leise“, sagt Hauss und lacht. Im Hamburger Bahnhof und im HKW habe sie das Gefühl, dass die Kinder gehört werden.

Auseinandersetzung mit Rassismus

Ein weiteres Thema, dass die Lehrer:innen während ihres Besuchs des HKWs umtreibt, ist die Auseinandersetzung mit Rassismus. „Ich habe kürzlich eine Fortbildung zu Rassismus gemacht und bin dankbar für das Visuelle dieses Ortes“, sagt Stefanie Loh. Eine Kollegin, Nele Schmidt aus Hannover, zeigt auf das Programmheft des HKWs. „Das ist super für den Kunstunterricht. Wenn die Lehrpläne zehn Künstler:innen für das Schuljahr vorsehen, sind neun davon weiße Männer“, sagt Schmidt. „Das Thema Dekolonialisierung kommt auf, aber nur sehr langsam“.

Nach einem Workshop zur Vermittlungsarbeit mit Kindern erzählt Kunstvermittler Neugebauer vom „Kinderrave“, einem Format mit Musik aus verschiedenen kulturellen Kontexten. Nebenbei, fast beiläufig, sagt ein Lehrer zu seiner Kollegin: „Ich mache bei uns bald auch so einen Kinderrave“ – und lacht.

Fokus auf die Perspektiven der Schulen

Am nächsten Tag wird das Treffen fortgesetzt – dann mit einem stärkeren Fokus auf die Perspektiven der Schulen selbst. Fünf Berliner Programmschulen geben Einblicke in ihre Praxis, zeigen konkrete Projekte und diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie sich kulturelle Schulentwicklung langfristig verankern lässt. Der Austausch verschiebt sich damit noch einmal stärker in Richtung Transfer und struktureller Fragen: Wie können erfolgreiche Ansätze skaliert, Kooperationen stabilisiert und Netzwerke nachhaltig gestaltet werden?

(c) Catrin Schmitt

Vielleicht ist es genau das, worum es bei diesen zwei Tagen geht: nicht um fertige Konzepte, sondern um Impulse, die weiterwirken. Wenn aus einer Idee ein Projekt wird, aus einem Gespräch eine Kooperation, aus einem Experiment eine neue Praxis – dann hat dieses Treffen sein Ziel erreicht.


„Ich finde es spannend, neue Projekte kennenzulernen und zu sehen, wie man sie umsetzen kann – das ist eine enorme Ressource, weil nicht jede Schule bei Null anfangen muss. Gerade für den Kunstunterricht sind neue Perspektiven wichtig: Wenn im Lehrplan zehn Künstler:innen stehen, sind neun davon weiße Männer – Dekolonialisierung kommt erst langsam in Bewegung.“

Nele Schmidt, Gymnasium Limmer (Hannover)

„Diese Tage sind wie kuratierte Beautydays – man verlässt die eigene Bubble und bekommt neue Impulse. Für mich ist das hier ein riesiger Schatz, weil ich ganz praktisch sehen kann, was andere machen, und diese Methoden an Schulen weitergeben kann.“

Miriam Braunstein, Kulturagentin aus Thüringen

„Das Kulturagentenprogramm und die Kulturfahrpläne sorgen dafür, dass wir uns kontinuierlich damit beschäftigen, wie kulturelle Bildung an der Schule weiterentwickelt werden kann.“

Frank Duscha, Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium (Berlin)

„Ich bin mit der offenen Frage gekommen: Was geht noch? Wie kann ich kulturästhetisch mit Institutionen zusammenarbeiten? Hier erlebe ich, dass Kinder wirklich gehört werden – und genau diese Praxis und die demokratischen Strukturen dahinter interessieren mich besonders.“

Sonja Hauss, Friedrich-Hölderlin-Schule (Asperg)

Bundestreffen der Kulturschulen in Berlin – Übersicht

Tag 1 – 19. März 2026
Auftakt im Hamburger Bahnhof  

Begrüßung durch Carsten Cremer, Kulturagent, die stellvertretende Direktorin Gabriele Knapstein und die Kunstvermittlerin Laureline van den Heuvel sowie eine Videobotschaft von Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Schirmherrin des Bundestreffens der Kulturschulen

Vier parallele Workshops im Museum  

1. Flüsterführung
Diese Führung untersucht verschiedene Arten, über Kunst zu sprechen: jubeln, schreien, loben, lügen oder flüstern. Die Teilnehmenden erproben unterschiedliche Sprechweisen und beobachten, wie sich dadurch Wahrnehmung, Atmosphäre und das vermittelte Wissen verändern. Dabei entstehen auch spontane, erfundene Deutungen, improvisierte Vorträge oder blendende Behauptungen, die zeigen, wie stark Sprache unsere Vorstellung von Kunst prägt.

2. Lavaführung
Der Boden wird zu Lava: In diesem spielerischen Parcours bewegen sich die Teilnehmenden aufmerksam durch den Ausstellungsraum und suchen „sicheren Boden“. Das ursprünglich für Kleinkinder entwickelte Format eröffnet einen körperlichen, performativen Zugang zum Museum und ist auf unterschiedliche Kontexte übertragbar. Zugleich werden Fragen des Transfers – etwa in die Arbeit mit Grundschüler:innen – gemeinsam reflektiert.

3. Langjährige Kooperation: Schule – Museum – Kunst
Vertreter:innen der Erika-Mann-Grundschule und der Kurt-Tucholsky-Oberschule geben Einblick in ihre Die Kurt-Tucholsky-Oberschule (ISS mit gymnasialer Oberstufe) und der Hamburger Bahnhof arbeiten seit gut 20 Jahren kontinuierlich zusammen. Die Kooperation zeigt, wie Schule und Museum als unterschiedliche Lernorte voneinander profitieren können – durch gemeinsame Projekte, künstlerische Vermittlung und langfristige Beziehungen. Im Talk kommen Perspektiven aus Schule, Museumsvermittlung und künstlerischer Praxis zusammen und fragen: Warum lohnt sich diese Zusammenarbeit – und was macht sie dauerhaft tragfähig? Und welche Rolle spielt dabei ein Koffer?

Ein Angebot mit Grit Wöhlert (Lehrkraft und Kulturbeauftragte), Markus Strieder (Bildender Künstler und Kunstvermittler) und Karin Schreibeis (Kulturagentin

4. Schule & Museum im Dialog
Was hat dir besonders viel Spaß gemacht? Dass ich alles benutzen durfte.
Warum? Weil manchmal bei Projekten darf man nicht alles benutzen.
(Auszug aus einem Feedbackbogen für Schüler:innen)

Nanine Schulz (Lehrkraft und Kulturbeauftragte, Erika-Mann-Grundschule), Heike Bollig (Bildende Künstlerin und Kunstvermittlerin) und Anne Krause (Kulturagentin) teilen ihr Praxiswissen aus der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Erika-Mann-Grundschule und dem Hamburger Bahnhof und gehen in den anwendungsorientierten Austausch: Was passiert, wenn eine theaterbetonte Grundschule und ein Museum für zeitgenössische Kunst zusammenarbeiten? Wie lernen und verlernen wir gemeinsam? Und: Was aus 13 Jahren Kooperationserfahrung passt in eine Stunde?

Spaziergang zum HKW (Haus der Kulturen der Welt)  

Begrüßung im HKW durch Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Intendant des HKW  

Workshops in der Ausstellung Tirailleurs. Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben (Sneak Preview) jeweils eine Stunde mit Wechsel  

Workshop: Rundgang durch die Ausstellung
Das HKW als Lern- und Erfahrungsraum: Wir zeigen exemplarisch, wie Ausstellungsarchitektur, Farbgestaltung, Themenstränge, Lernstationen und Vermittlungsmethoden Inhalte und Hausphilosophie verbinden. Der Rundgang verdeutlicht, wie Ausstellungen als aktive Lehr- und Lernorte gestaltet werden.

Workshop: HKW für die Kleinsten zu großen Themen
Auch für Kitas und Grundschulklassen eröffnet das HKW altersgerechte Zugänge zu Themen wie Faschismus und Kolonialismus. Theaterpädagogische Elemente und sprachliche Stimulation unterstützen die Diskussion und erweitern den Gedankenhorizont.

Lisa Vasvari zeigt praxisnah, wie junge Kinder komplexe gesellschaftliche Inhalte erforschen können.

Workshop: Jugendgremium Schattenmuseum – schtzngrmm schtzngrmm: Was bleibt-t-tt?
Das Schattenmuseum, bestehend aus Jugendlichen ab 14 Jahren, eröffnet in einer interaktiven Performance Perspektiven auf aktuelle gesellschaftspolitische Fragen. Mit Lautgedichten, Zitaten, Interviews und Besucherbeteiligung entsteht ein Raum für Dialog über Wehrpflicht, Stadtbild-Debatten und Generationenerwartungen. Für den 19.3. wird die Arbeitsweise exemplarisch vorgestellt. Das Schattenmuseum ist ein Projekt von sideviews

Schattenmuseum 2026:
Amélie Boßlet, Elijah Sagor, Elis Nägele, Elona Sagor, Laith Azimi, Mariama Suwareh, Moritz Scheffer, Oskar Glas, Phanuel Nlend
Begleitung: Anja Scheffer, Nadja Talm

Workshop: LIGHTS ORDNER – Philip Crawford (englisch)
In diesem kreativen englischsprachigen Workshop lernen die Teilnehmer:innen die Arbeitsweise von Philip Crawford und sein Projekt LIGHTS ORDNER kennen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie mit gesammelten Bildern, alten Aktenordnern und alltäglichen Büromaterialien künstlerische Zugänge zu Erinnerung,
Öffentlichkeit und Zugehörigkeit eröffnet werden können.

Gemeinsam wird darüber gesprochen, wie das Projekt mit gesammelten Bildern, Stimmen und Perspektiven aus Deutschland arbeitet und welche Formen von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit dabei verhandelt werden.

Tag 2 – 20. März 2026 | Berliner Schulen öffnen ihre Türen

Dezentrale Workshops an Berliner Schulen des Programms Kulturtagenten für kreative Schulen Berlin. Fünf Programmschulen öffnen ihre Türen für Austausch, Praxis und Inspiration:  

Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule
Die unglaubliche Reise der Pflanzen. Im Foyer der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule entsteht ein ornamentales Wandbild, das aus vielen Einzelzeichnungen von Schülerinnen zusammengesetzt wird. Ziel dieses Langzeitprojektes ist es, dass jede/r Schülerin den Eingang zur Schule mitgestaltet. So wird das Entwicklungsziel der Schule, mehr Mitbestimmung zu etablieren und dadurch eine größere Identifikation mit der Schule zu erreichen, künstlerisch aufgegriffen. Im Workshop teilen die Kulturbeauftragten Knut Flechtenmacher und Janna Rakowski ihre Erfahrungen mit diesem partizipativen Projekt und stellen anhand von praktischen Übungen die eingesetzte Plottertechnik vor

Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium
Flanieren für alle! – Künstlerische und fächerübergreifende Erforschung des Stadtraums. Im urbanen Raum werden die wesentlichen Fragen unserer Zeit verhandelt. Am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium ist gemeinsam mit einer Künstler:in die Methodensammlung „Flanieren für alle!“ entstanden, die dazu einladen möchte, den urbanen Raum als Lernumgebung im Schulalltag stärker zu verankern. In diesem Format erhalten Sie Einblick in die kulturelle Schulentwicklung der Referenzschule und die Methodensammlung. Wir freuen uns auf den Austausch. Mit Frank Duscha (ehemaliger Kulturbeauftragter Lehrer) und Maja-Lena Pastor, Kulturagentin. 

Nürtingen-Grundschule
Wie entsteht eine Schulbibliothek, die verbindet? Wir zeigen am Beispiel des BiblioSET, wie partizipative Schulentwicklung Sprachbildung, Demokratieerfahrung und künstlerische Praxis zusammenführt – und laden Sie ein, im von Schüler:innen angeleiteten Figurenworkshop selbst aktiv zu werden. Mit Wiebke Janzen (Kulturbeauftragte Lehrerin), Schüler:innen der 456A, Julia Kuzminska (Kulturagentin) und Maria Dabow (Schul- und Mehrsprachenbibliothek).

Heinz-Brandt-Schule
„Wenn, dann da…“ Außerschulische Kooperationen und ihre Gelingensbedingungen Welche Bedingungen braucht erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischen Partnern? Der Workshop gibt Einblicke in Erfahrungen und Gelingensbedingungen langfristiger Kooperationen.

Hector-Peterson-Schule / Jugendkunstschule FRIX BERG
Vom Ich zum Wir – Kooperation als künstlerischer Prozess Wie entstehen in der Begegnung zwischen Schule und eigenständigem künstlerischen Ort tragfähige Strukturen? Die Jugendkunstschule FRI-X-BERG und die Hector-Peterson-Schule geben Einblicke in ihre langfristige Zusammenarbeit, entlang zentraler Entwicklungsprozesse, prägender Entscheidungen und kooperativer Aushandlungsprozessen. Zwei kurze künstlerische Impulse öffnen zusätzliche Perspektiven auf Zuhören, Mehrschichtigkeit und Rollenklärung. Für alle, die kulturelle Schulentwicklung strukturell denken und weiterentwickeln möchten. Mit David Reuter, Lehrer und Leiter der Jugendkunstschule FRI-X Berg und Kristin Reinhardt, Kulturagentin.

Abschlussworkshop – Resonanzen aus den Schulbesuchen
Den Abschluss des Bundestreffens bildet eine gemeinsame Reflexion der Schulbesuche. Im Mittelpunkt stehen prägende Momente, übertragbare Ideen und Fragen für die Weiterarbeit im eigenen Kontext.

In einem offenen Austausch werden Erfahrungen gebündelt, sichtbar gemacht und in einer gemeinsamen Dokumentation festgehalten. So entsteht ein kollektiver Resonanzraum, der Perspektiven aus den unterschiedlichen Schulen miteinander verbindet und Impulse für die Weiterentwicklung im Netzwerk setzt.


  

Fotogallerie

Gruppenbild vorm Hamburger Bahnhof

Ich mache bei uns bald auch einen Kinderrave

News

Am 19. und 20. März hat das Bundestreffen der Kulturschulen stattgefunden

Eine Reportage von Lena Fiedler // Alle Fotos und Fotogalerie am Ende des Beitrags (c) Catrin Schmitt

„Es war einmal eine Schreibmaschine namens Erika, die in einem Land lebte, wo es dem König ein Dorn im Auge war, wenn viel geschrieben wurde, deswegen legte er sie in Ketten, sodass sie fortan nur noch vier Buchstaben schreiben konnte“.

Drei Teilnehmende stehen vor einem Kunstwerk im Hamburger Bahnhof in Berlin und erzählen diese Geschichte. Sie haben sich in das Objekt hineinversetzt, sprechen leise, konzentriert, fast verschwörerisch. Die anderen hören zu und überlegen, welche Sprechhaltung sie wahrnehmen. „Ein Märchen“, sind sich alle einig.

Perspektivwechsel ermöglichen

Dann spricht die Gruppe hastig, überschlägt sich, beschwert sich lautstark – Berliner Tonfall inklusive. Gelächter. Die Teilnehmenden haben sichtlich Freude daran, sich Kunst auf diese ungewohnte Weise anzunähern.

Dabei ist die sogenannte Flüsterführung eigentlich ein Format der Kunstvermittlung für Kinder. Beim Bundestreffen „re:ferenzen/re:sonanzen+“ der Kulturschulen wird sie kurzerhand mit Erwachsenen erprobt. Für den Berliner Kulturagenten Carsten Cremer ist genau das der Punkt: Perspektivwechsel ermöglichen, Routinen aufbrechen.

„An diesen zwei Tagen soll innegehalten werden. Wir wollen Abzweigungen nehmen, zufällige Begegnungen ermöglichen und spontan sein“, sagt Cremer. Rund 80 Lehrer:innen, Kulturagent:innen sowie Vertreter:innen aus Kulturinstitutionen und Verwaltung sind aus mehreren Bundesländern nach Berlin gekommen. Ihr gemeinsames Anliegen: kulturelle Schulentwicklung weiterdenken – im Netzwerk.

(c) Catrin Schmitt

Auftakt im Hamburger Bahnhof

Der Auftakt findet im Hamburger Bahnhof statt, einem der bedeutendsten Häuser für Gegenwartskunst in Deutschland. Die stellvertretende Direktorin Gabriele Knapstein begrüßt die Teilnehmenden und betont die gewachsene Zusammenarbeit zwischen Museen und Schulen. „Museen sollten keine Friedhöfe für Kunstwerke sein“, ergänzt Kunstvermittlerin Laureline van den Heuvel. Kunst müsse erfahrbar, diskutierbar, lebendig sein.

Aber wie nähert man sich der Kunst? Das ist die Frage, die über diesen zwei Tagen steht. Eine klassische Konferenz mit Vorträgen und Keynotes ist das Treffen bewusst nicht. Stattdessen geht es direkt in die Praxis: Workshops, Gespräche, künstlerische Formate. Erwachsene krabbeln durch Ausstellungsräume, improvisieren, performen. Für manche bedeutet das auch, die eigene Komfortzone zu verlassen – durchaus gewollt.

„Wir müssen den Ort Schule gedanklich verlassen“, sagt Cremer. „Er ist oft nicht dafür gemacht, offene Fragen zu stellen oder eigene Perspektiven zu entwickeln.“

Bundesweiter Austausch

Das Bundestreffen ist Teil eines längerfristigen, bundesweiten Austauschs. Bereits 2024 kamen (diese aber auch andere) Kulturschulen erstmals in dieser Form zusammen. Ausgangspunkt ist die sogenannte Länderrunde Kulturelle Bildung, ein Zusammenschluss von Vertreter:innen aus Bildungs- und Kulturministerien, der im Kontext des Programms „Kreativpotentiale“ der Stiftung Mercator der in den 2020er Jahren entstand. Ziel ist es, Kulturelle Bildung dauerhaft in Schulsystemen zu verankern und den bundesweiten Austausch zwischen Praxis, Politik und Zivilgesellschaft zu stärken. Das Treffen in Berlin knüpft daran an – und macht sichtbar, dass kulturelle Schulentwicklung eine gemeinsame Aufgabe ist.

Das ist auch das zentrale Ziel des Kulturagentenprogramms in Berlin (in Trägerschaft der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung), das Gastgeber:in des Bundestreffens ist.  Seit über 15 Jahren begleitet es Schulen dabei, künstlerische und kulturelle Angebote systematisch in ihre Entwicklung zu integrieren. Kulturagent:innen wie Carsten Cremer fungieren als Schnittstellen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen, initiieren Kooperationen und unterstützen langfristige Prozesse. Ziel ist es, Kulturelle Bildung nicht als Zusatz, sondern als festen Bestandteil schulischer Praxis zu etablieren – „als Motor für Teilhabe, Persönlichkeitsentwicklung und demokratische Erfahrung“, wie Katharina Günther-Wünsch, Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, als Schirmherrin in ihrer Video-Botschaft sagt.

Kulturschulen als Impulsgeberinnen

Kulturschulen begreifen Kunst und Kultur als strukturelles Prinzip von Schule. Unterricht, Projekte und Schulentwicklung orientieren sich an künstlerischen Methoden und Haltungen – Offenheit, Experiment, Perspektivwechsel. Ursprünglich ging es auch darum, Kindern und Jugendlichen Zugänge zu Kultur zu ermöglichen, die diese sonst kaum hätten. Heute sind Kulturschulen wichtige Impulsgeberinnen für innovative Bildungsansätze.

Dass diese Ansätze wirken, zeigt sich in Gesprächen mit Teilnehmenden. Frank Duscha, langjähriger Lehrer am Gottfried-Herder-Gymnasium in Berlin, kommt gerade aus der oben genannten Flüsterführung. „Das ist eine super Methode – die wende ich sofort an meiner Schule an“, sagt er. Auch im Ruhestand bleibt er engagiert, sammelt Ideen für Kolleg:innen. Besonders schätzt er die MATERIAL:Box der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, die im Kontext des Programms entwickelt wurden: „Man bleibt ständig im Denken darüber, wie Kulturelle Bildung weitergehen kann.“

Voneinander Lernen

Genau darum geht es auch im Netzwerk: voneinander lernen, Erfahrungen teilen. „Die Idee ist, dass sich das als Graswurzelbewegung entwickelt“, sagt Cremer. Wissen soll nicht nur formal vermittelt, sondern informell weitergegeben werden – in Gesprächen, durch gemeinsames Erleben.

Wer gerne von den anderen lernen möchte, ist Jonas Niemeier. Er ist Kulturagent aus Oberhausen und fragt sich, wie andere Schulen Kooperationspartner:innen finden. Der Besuch des Hamburger Bahnhofs hat ihm bereits geholfen. Bei dem nächsten Gespräch mit einem Museum oder einer Galerie will er zukünftig erzählen, wie die Kunstvermittlung in anderen Städten läuft.

Im HKW steht die aktuelle Ausstellung im Mittelpunkt

Am Nachmittag wechselt die Gruppe den Ort. Ein gemeinsamer Spaziergang führt zum Haus der Kulturen der Welt (HKW), einem internationalen Zentrum für zeitgenössische Kunst und Diskurs. Dort steht die Ausstellung „Tirailleurs – Von Kanonenfutter zu Avantgarde“ im Mittelpunkt, die sich mit kolonialisierten Soldaten in europäischen Kriegen beschäftigt.

(c) Catrin Schmitt

Ein anspruchsvolles Thema – und doch Teil der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, sagt Kunstvermittler Daniel Neugebauer. Er und seine Kolleg:innen zeigen, wie sich komplexe Inhalte altersgerecht erschließen lassen. Die Teilnehmenden stehen vor einer Installation aus Erde, geordnet in rechteckigen Parzellen. Das Kunstwerk verweist auf ein Massaker im Senegal, bei dem Soldaten, die ihren Sold einforderten, ermordet und verscharrt wurden.

Neue Impulse für aktuelle Themen

Ist das hier für die Teilnehmenden gerade produktiv? „Ja total“, sagt Yara Matea Schäl. Lehrerin aus Potsdam. Sie unterrichtet Kunst und Geschichte und beschäftigt sich intensiv mit Perspektivwechseln im Unterricht. Die Ausstellung liefert ihr neue Impulse für aktuelle Themen – etwa für Diskussionen über koloniale Kontinuitäten oder Geschichtsbilder.

Auch andere Teilnehmende nehmen konkrete Anregungen mit. Stefanie Loh, Lehrerin aus Hannover ist zum zweiten Mal beim Treffen der Kulturschulen dabei. „Der Austausch ist genial, das war für uns ein riesiger Booster“, erinnert sie sich. Mit der Energie ist sie nach dem ersten Treffen zur Schulleitung: „Mathe, Bio, alles gut, aber Kulturelle Bildung ist auch wichtig.“

Neue Zugänge zu Museen

Und auch diesmal hat sie schon wieder viele neue Ideen gesammelt. Gerade sitzt Loh in dem Workshop eines Künstlers, der aus alten Aktenordnern Diaprojektoren baut. Aus einem Polaroidfoto kann er innerhalb von Minuten ein Dia anfertigen. Improvisation, Low-Tech, künstlerisches Arbeiten. Als das Foto in heißes Wasser gelegt wird, fangen die Lehrer:innen an zu lachen. Das sei für ihre Klassen schon zu gefährlich. Einer von ihnen überlegt. „Das würde den Älteren auch gefallen“. Aber die Kosten seien zu hoch und die Klassen zu groß. Aber dann: „Vielleicht muss man es einfach machen“. Loh hat sich für die zwei Tage vorgenommen, neue Zugänge zu Museen kennenzulernen.

(c) Catrin Schmitt

Sonja Hauss, Rektorin der Friedrich-Hölderlin-Schule in Asperg, geht es ähnlich. Sie fragt sich: „Wie kann ich kultur-ästhetisch mit Institutionen zusammenarbeiten?“ Sie fragt sich, welche Zugänge es zur bildenden Kunst gebe und wie sie die an Kinder gut vermitteln kann. Ihre Schule liegt im Raum Stuttgart, wo die Museen noch konservativere Orte seien. „In der Staatsgalerie ist es immer sehr leise“, sagt Hauss und lacht. Im Hamburger Bahnhof und im HKW habe sie das Gefühl, dass die Kinder gehört werden.

Auseinandersetzung mit Rassismus

Ein weiteres Thema, dass die Lehrer:innen während ihres Besuchs des HKWs umtreibt, ist die Auseinandersetzung mit Rassismus. „Ich habe kürzlich eine Fortbildung zu Rassismus gemacht und bin dankbar für das Visuelle dieses Ortes“, sagt Stefanie Loh. Eine Kollegin, Nele Schmidt aus Hannover, zeigt auf das Programmheft des HKWs. „Das ist super für den Kunstunterricht. Wenn die Lehrpläne zehn Künstler:innen für das Schuljahr vorsehen, sind neun davon weiße Männer“, sagt Schmidt. „Das Thema Dekolonialisierung kommt auf, aber nur sehr langsam“.

Nach einem Workshop zur Vermittlungsarbeit mit Kindern erzählt Kunstvermittler Neugebauer vom „Kinderrave“, einem Format mit Musik aus verschiedenen kulturellen Kontexten. Nebenbei, fast beiläufig, sagt ein Lehrer zu seiner Kollegin: „Ich mache bei uns bald auch so einen Kinderrave“ – und lacht.

Fokus auf die Perspektiven der Schulen

Am nächsten Tag wird das Treffen fortgesetzt – dann mit einem stärkeren Fokus auf die Perspektiven der Schulen selbst. Fünf Berliner Programmschulen geben Einblicke in ihre Praxis, zeigen konkrete Projekte und diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie sich kulturelle Schulentwicklung langfristig verankern lässt. Der Austausch verschiebt sich damit noch einmal stärker in Richtung Transfer und struktureller Fragen: Wie können erfolgreiche Ansätze skaliert, Kooperationen stabilisiert und Netzwerke nachhaltig gestaltet werden?

(c) Catrin Schmitt

Vielleicht ist es genau das, worum es bei diesen zwei Tagen geht: nicht um fertige Konzepte, sondern um Impulse, die weiterwirken. Wenn aus einer Idee ein Projekt wird, aus einem Gespräch eine Kooperation, aus einem Experiment eine neue Praxis – dann hat dieses Treffen sein Ziel erreicht.


„Ich finde es spannend, neue Projekte kennenzulernen und zu sehen, wie man sie umsetzen kann – das ist eine enorme Ressource, weil nicht jede Schule bei Null anfangen muss. Gerade für den Kunstunterricht sind neue Perspektiven wichtig: Wenn im Lehrplan zehn Künstler:innen stehen, sind neun davon weiße Männer – Dekolonialisierung kommt erst langsam in Bewegung.“

Nele Schmidt, Gymnasium Limmer (Hannover)

„Diese Tage sind wie kuratierte Beautydays – man verlässt die eigene Bubble und bekommt neue Impulse. Für mich ist das hier ein riesiger Schatz, weil ich ganz praktisch sehen kann, was andere machen, und diese Methoden an Schulen weitergeben kann.“

Miriam Braunstein, Kulturagentin aus Thüringen

„Das Kulturagentenprogramm und die Kulturfahrpläne sorgen dafür, dass wir uns kontinuierlich damit beschäftigen, wie kulturelle Bildung an der Schule weiterentwickelt werden kann.“

Frank Duscha, Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium (Berlin)

„Ich bin mit der offenen Frage gekommen: Was geht noch? Wie kann ich kulturästhetisch mit Institutionen zusammenarbeiten? Hier erlebe ich, dass Kinder wirklich gehört werden – und genau diese Praxis und die demokratischen Strukturen dahinter interessieren mich besonders.“

Sonja Hauss, Friedrich-Hölderlin-Schule (Asperg)

Bundestreffen der Kulturschulen in Berlin – Übersicht

Tag 1 – 19. März 2026
Auftakt im Hamburger Bahnhof  

Begrüßung durch Carsten Cremer, Kulturagent, die stellvertretende Direktorin Gabriele Knapstein und die Kunstvermittlerin Laureline van den Heuvel sowie eine Videobotschaft von Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Schirmherrin des Bundestreffens der Kulturschulen

Vier parallele Workshops im Museum  

1. Flüsterführung
Diese Führung untersucht verschiedene Arten, über Kunst zu sprechen: jubeln, schreien, loben, lügen oder flüstern. Die Teilnehmenden erproben unterschiedliche Sprechweisen und beobachten, wie sich dadurch Wahrnehmung, Atmosphäre und das vermittelte Wissen verändern. Dabei entstehen auch spontane, erfundene Deutungen, improvisierte Vorträge oder blendende Behauptungen, die zeigen, wie stark Sprache unsere Vorstellung von Kunst prägt.

2. Lavaführung
Der Boden wird zu Lava: In diesem spielerischen Parcours bewegen sich die Teilnehmenden aufmerksam durch den Ausstellungsraum und suchen „sicheren Boden“. Das ursprünglich für Kleinkinder entwickelte Format eröffnet einen körperlichen, performativen Zugang zum Museum und ist auf unterschiedliche Kontexte übertragbar. Zugleich werden Fragen des Transfers – etwa in die Arbeit mit Grundschüler:innen – gemeinsam reflektiert.

3. Langjährige Kooperation: Schule – Museum – Kunst
Vertreter:innen der Erika-Mann-Grundschule und der Kurt-Tucholsky-Oberschule geben Einblick in ihre Die Kurt-Tucholsky-Oberschule (ISS mit gymnasialer Oberstufe) und der Hamburger Bahnhof arbeiten seit gut 20 Jahren kontinuierlich zusammen. Die Kooperation zeigt, wie Schule und Museum als unterschiedliche Lernorte voneinander profitieren können – durch gemeinsame Projekte, künstlerische Vermittlung und langfristige Beziehungen. Im Talk kommen Perspektiven aus Schule, Museumsvermittlung und künstlerischer Praxis zusammen und fragen: Warum lohnt sich diese Zusammenarbeit – und was macht sie dauerhaft tragfähig? Und welche Rolle spielt dabei ein Koffer?

Ein Angebot mit Grit Wöhlert (Lehrkraft und Kulturbeauftragte), Markus Strieder (Bildender Künstler und Kunstvermittler) und Karin Schreibeis (Kulturagentin

4. Schule & Museum im Dialog
Was hat dir besonders viel Spaß gemacht? Dass ich alles benutzen durfte.
Warum? Weil manchmal bei Projekten darf man nicht alles benutzen.
(Auszug aus einem Feedbackbogen für Schüler:innen)

Nanine Schulz (Lehrkraft und Kulturbeauftragte, Erika-Mann-Grundschule), Heike Bollig (Bildende Künstlerin und Kunstvermittlerin) und Anne Krause (Kulturagentin) teilen ihr Praxiswissen aus der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Erika-Mann-Grundschule und dem Hamburger Bahnhof und gehen in den anwendungsorientierten Austausch: Was passiert, wenn eine theaterbetonte Grundschule und ein Museum für zeitgenössische Kunst zusammenarbeiten? Wie lernen und verlernen wir gemeinsam? Und: Was aus 13 Jahren Kooperationserfahrung passt in eine Stunde?

Spaziergang zum HKW (Haus der Kulturen der Welt)  

Begrüßung im HKW durch Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Intendant des HKW  

Workshops in der Ausstellung Tirailleurs. Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben (Sneak Preview) jeweils eine Stunde mit Wechsel  

Workshop: Rundgang durch die Ausstellung
Das HKW als Lern- und Erfahrungsraum: Wir zeigen exemplarisch, wie Ausstellungsarchitektur, Farbgestaltung, Themenstränge, Lernstationen und Vermittlungsmethoden Inhalte und Hausphilosophie verbinden. Der Rundgang verdeutlicht, wie Ausstellungen als aktive Lehr- und Lernorte gestaltet werden.

Workshop: HKW für die Kleinsten zu großen Themen
Auch für Kitas und Grundschulklassen eröffnet das HKW altersgerechte Zugänge zu Themen wie Faschismus und Kolonialismus. Theaterpädagogische Elemente und sprachliche Stimulation unterstützen die Diskussion und erweitern den Gedankenhorizont.

Lisa Vasvari zeigt praxisnah, wie junge Kinder komplexe gesellschaftliche Inhalte erforschen können.

Workshop: Jugendgremium Schattenmuseum – schtzngrmm schtzngrmm: Was bleibt-t-tt?
Das Schattenmuseum, bestehend aus Jugendlichen ab 14 Jahren, eröffnet in einer interaktiven Performance Perspektiven auf aktuelle gesellschaftspolitische Fragen. Mit Lautgedichten, Zitaten, Interviews und Besucherbeteiligung entsteht ein Raum für Dialog über Wehrpflicht, Stadtbild-Debatten und Generationenerwartungen. Für den 19.3. wird die Arbeitsweise exemplarisch vorgestellt. Das Schattenmuseum ist ein Projekt von sideviews

Schattenmuseum 2026:
Amélie Boßlet, Elijah Sagor, Elis Nägele, Elona Sagor, Laith Azimi, Mariama Suwareh, Moritz Scheffer, Oskar Glas, Phanuel Nlend
Begleitung: Anja Scheffer, Nadja Talm

Workshop: LIGHTS ORDNER – Philip Crawford (englisch)
In diesem kreativen englischsprachigen Workshop lernen die Teilnehmer:innen die Arbeitsweise von Philip Crawford und sein Projekt LIGHTS ORDNER kennen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie mit gesammelten Bildern, alten Aktenordnern und alltäglichen Büromaterialien künstlerische Zugänge zu Erinnerung,
Öffentlichkeit und Zugehörigkeit eröffnet werden können.

Gemeinsam wird darüber gesprochen, wie das Projekt mit gesammelten Bildern, Stimmen und Perspektiven aus Deutschland arbeitet und welche Formen von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit dabei verhandelt werden.

Tag 2 – 20. März 2026 | Berliner Schulen öffnen ihre Türen

Dezentrale Workshops an Berliner Schulen des Programms Kulturtagenten für kreative Schulen Berlin. Fünf Programmschulen öffnen ihre Türen für Austausch, Praxis und Inspiration:  

Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule
Die unglaubliche Reise der Pflanzen. Im Foyer der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule entsteht ein ornamentales Wandbild, das aus vielen Einzelzeichnungen von Schülerinnen zusammengesetzt wird. Ziel dieses Langzeitprojektes ist es, dass jede/r Schülerin den Eingang zur Schule mitgestaltet. So wird das Entwicklungsziel der Schule, mehr Mitbestimmung zu etablieren und dadurch eine größere Identifikation mit der Schule zu erreichen, künstlerisch aufgegriffen. Im Workshop teilen die Kulturbeauftragten Knut Flechtenmacher und Janna Rakowski ihre Erfahrungen mit diesem partizipativen Projekt und stellen anhand von praktischen Übungen die eingesetzte Plottertechnik vor

Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium
Flanieren für alle! – Künstlerische und fächerübergreifende Erforschung des Stadtraums. Im urbanen Raum werden die wesentlichen Fragen unserer Zeit verhandelt. Am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium ist gemeinsam mit einer Künstler:in die Methodensammlung „Flanieren für alle!“ entstanden, die dazu einladen möchte, den urbanen Raum als Lernumgebung im Schulalltag stärker zu verankern. In diesem Format erhalten Sie Einblick in die kulturelle Schulentwicklung der Referenzschule und die Methodensammlung. Wir freuen uns auf den Austausch. Mit Frank Duscha (ehemaliger Kulturbeauftragter Lehrer) und Maja-Lena Pastor, Kulturagentin. 

Nürtingen-Grundschule
Wie entsteht eine Schulbibliothek, die verbindet? Wir zeigen am Beispiel des BiblioSET, wie partizipative Schulentwicklung Sprachbildung, Demokratieerfahrung und künstlerische Praxis zusammenführt – und laden Sie ein, im von Schüler:innen angeleiteten Figurenworkshop selbst aktiv zu werden. Mit Wiebke Janzen (Kulturbeauftragte Lehrerin), Schüler:innen der 456A, Julia Kuzminska (Kulturagentin) und Maria Dabow (Schul- und Mehrsprachenbibliothek).

Heinz-Brandt-Schule
„Wenn, dann da…“ Außerschulische Kooperationen und ihre Gelingensbedingungen Welche Bedingungen braucht erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischen Partnern? Der Workshop gibt Einblicke in Erfahrungen und Gelingensbedingungen langfristiger Kooperationen.

Hector-Peterson-Schule / Jugendkunstschule FRIX BERG
Vom Ich zum Wir – Kooperation als künstlerischer Prozess Wie entstehen in der Begegnung zwischen Schule und eigenständigem künstlerischen Ort tragfähige Strukturen? Die Jugendkunstschule FRI-X-BERG und die Hector-Peterson-Schule geben Einblicke in ihre langfristige Zusammenarbeit, entlang zentraler Entwicklungsprozesse, prägender Entscheidungen und kooperativer Aushandlungsprozessen. Zwei kurze künstlerische Impulse öffnen zusätzliche Perspektiven auf Zuhören, Mehrschichtigkeit und Rollenklärung. Für alle, die kulturelle Schulentwicklung strukturell denken und weiterentwickeln möchten. Mit David Reuter, Lehrer und Leiter der Jugendkunstschule FRI-X Berg und Kristin Reinhardt, Kulturagentin.

Abschlussworkshop – Resonanzen aus den Schulbesuchen
Den Abschluss des Bundestreffens bildet eine gemeinsame Reflexion der Schulbesuche. Im Mittelpunkt stehen prägende Momente, übertragbare Ideen und Fragen für die Weiterarbeit im eigenen Kontext.

In einem offenen Austausch werden Erfahrungen gebündelt, sichtbar gemacht und in einer gemeinsamen Dokumentation festgehalten. So entsteht ein kollektiver Resonanzraum, der Perspektiven aus den unterschiedlichen Schulen miteinander verbindet und Impulse für die Weiterentwicklung im Netzwerk setzt.