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Eine Wochenwand, das Team Kultur …
Foto: Max-Bill-Schule

Projektdetails:

  • Schule Max-Bill-Schule
  • KulturbeauftragteRahel Böhlke und Barbara Dzialach
Was besonders durch das Projekt deutlich wurde: die Sprachbarrieren der Willkommensschüler*innen waren nicht mehr von Bedeutung, da die Musik als Sprachrohr diente. Das Zusammenspiel aller Schüler*innen führte zu einer engen Bindung und neuen Freundschaften, die sogar nach dem Projekt in den Pausen sichtbar waren.

Einblicke in die Praxis

Eine Wochenwand, das Team Kultur …

…und ein Improvisations-Musik-Workshop

Rahel Böhlke und Barbara Dzialach sind Kulturbeauftragte der Max-Bill-Schule in Berlin Weißensee. Die Schule ist seit Beginn des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin dabei. Neben Projekten und Kooperationen hat sie auch schulinterne Vermittlungsstrategien entwickelt und etabliert. Als Referenzschule hat sie fünf Jahre ihre Erfahrungen an interessierte Schüler*innen und Lehrende anderer Schulen weitergegeben. Seit November dieses Jahres ist die Max-Bill-Schule nun im Profil Netzwerk. Im Interview erzählen die Kulturbeauftragten von ihren Erfahrungen.

Wie ist Ihre Schule zum Programm Kulturagenten für kreative Schulen Berlin gekommen?
Unsere damalige Leitung (Holger Sonntag, Margarete Aßfalg, Heinz Ibs) hatte von dem Programm gehört und sofort ‚Blut geleckt‘. Ich war relativ ‚frisch‘ an der Schule und hatte noch keine Funktion (außer natürlich der normalen Lehrtätigkeit), aber viel Energie und Lust, mich für unsere Schule zu engagieren. Schnell war klar, dass ich den Job der Kulturbeauftragten übernehmen würde, auch weil sofort ein Draht zu unserer Kulturagentin da war, die Kommunikation funktionierte auf Anhieb …

Was hat sich durch die Teilnahme am Programm an Ihrer Schule verändert?
Wir glauben, die größte und wichtigste Veränderung ist die Existenz des Teams Kultur. Durch die Arbeit dieses Teams hat sich die kulturelle Bildung wirklich in der Schule verankert, sie ist auf einem professionellen Niveau.

Wie wirkt sich das Programm auf die Schüler*innen/Kolleg*innen aus?
Es spricht sich bei den Schüler*innen herum:

  • dass regelmäßig ein Poetry Slam Workshop mit Abschluss-Battle im Mai stattfindet,
  • dass es eine Woche vor den Sommerferien eine Projektwoche für alle gibt,
  • dass die Wochenwand zur Verfügung steht, wenn etwas ‚gepostet‘ werden soll,
  • dass man uns, die Mitglieder des Team Kultur, ansprechen kann, wenn eine Idee, ein Wunsch für ein Projekt da ist.

Die Kolleg*innen wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie ein Projekt durchführen wollen, wenn sie einen Tipp für eine gute Künstler*in wollen oder wenn sie Hilfe bei einer Antragsformulierung bzw. Abrechnung brauchen.

Wie hat das Kulturagenten-Programm die Arbeit an Ihrer Schule unterstützt?
Wir glauben, ohne die professionelle, fantasievolle und emphatische Zusammenarbeit mit der Kulturagentin Eva Randelzhofer hätten wir nur schwer über unseren eigenen Tellerrand schauen können und uns bestimmte Formate auch gar nicht zugetraut.

Außerdem ist die finanzielle Unterstützung durch das Kunstgeld eine Basis für alles – ohne Geld hätten wir zwar tolle Ideen gehabt, hätten diese aber nicht realisieren können.

Die Qualifikationsveranstaltungen boten uns einen geschützten Raum, quasi eine andere Dimension, hier haben wir neue Kraft und Lust geschöpft und uns vor allem auch mit anderen, Gleichgesinnten ausgetauscht.

Was ist das Besondere daran, als Oberstufenzentrum an dem Programm teilzunehmen?
Unsere (fast) erwachsenen Schüler*innen, die ziemlich genau wissen, was sie wollen (und, was eben auch nicht). Sowie die technischen und personellen Möglichkeiten, die wir haben: die Werkstätten und die Meister und Kolleg*innen mit ihrer beruflichen Erfahrung im Handwerk.

Gibt es Projekte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Das Projekt, was uns besonders in Erinnerung geblieben ist, ist der Improvisations-Musik-Workshop mit den Profijazzmusikern Gunter Hampel, Bernd Oezsevim und Johannes Schleiermacher. Bei diesem Workshop hat die Schule das erste Mal ein musikalisches Projekt gewagt.

Das Besondere dabei war die Zusammensetzung der Gruppe, da Schüler*innen aus unterschiedlichen Bildungsgängen wie zum Beispiel den Willkommensklassen, den Produktdesignassistenten und dem Beruflichem Gymnasium zusammengewirkt haben.

Zusätzlichen waren die musikalischen Voraussetzungen sehr unterschiedlich. Einige konnten ein Instrument spielen, ein Schüler konnte gut singen, ein anderer rappen und viele waren sehr motiviert, musikalisch tätig zu werden.

Durch unterschiedliche partizipative und improvisierte Übungen konnten die Schüler*innen ihren Fähigkeiten freien Lauf lassen und haben am Ende ein Konzert für die ganze Schule im Foyer gegeben.

Die anderen Schüler*innen sowie das Lehrerkollegium waren begeistert, was in unserer nicht musikalisch ausgerichteten Schule für Talente stecken.

Was besonders durch das Projekt deutlich wurde: die Sprachbarrieren der Willkommensschüler*innen waren nicht mehr von Bedeutung, da die Musik als Sprachrohr diente. Das Zusammenspiel aller Schüler*innen führte zu einer engen Bindung und neuen Freundschaften, die sogar nach dem Projekt in den Pausen sichtbar waren.

Wie lassen sich Unterrichtsthemen mit künstlerischer Praxis gut vermitteln?
Wir glauben, das gelingt uns immer wieder mit unserer ‚Wochenwand‘: Seit 2012 gestalten Schüler*innen temporär die 3 m hohe und 6 m breite Wand in der Schulmensa. Auf der Präsentationsfläche von 18 Quadratmetern sind dort wechselnde Wandgestaltungen und Installationen (oft auch zu politischen, aktuellen Themen) zu sehen, die von Klassen, Gruppen oder auch einzelnen Schüler*innen – analog zu Facebook – „gepostet“ werden.

Wie ist Ihre Schule Referenzschule geworden?
Wir wurden vom Kulturagenten-Programm gefragt und haben das Angebot wahrscheinlich als ‚logische‘ Weiterentwicklung als natürliche Folge unserer kulturellen Arbeit betrachtet. Außerdem fühlten wir uns in unserer Arbeit bestätigt und eben auch ein wenig geehrt …

Was bedeutete es, eine Referenzschule Kultur zu sein?
In unserer Schule gibt es seit über 10 Jahren Erfahrung damit, wie man Kulturelle Bildung (aus den unterschiedlichsten Bereichen und in verschiedensten Formen) – auch langfristig – in den Schulalltag integrieren kann – diese Erfahrungen wollten wir weitergeben! Außerdem hatten wir aber auch großes Interesse an einem ehrlichen Feedback und neuen Inspirationen von Gastschüler*innen und Lehrer*innen.

Wie sah der Beitrag Ihrer Schule zu der Reihe re:ferenzen/re:sonanzen aus?
Wir haben unsere Erfahrungen über die Organisation und Durchführung eines Poetry Slam Workshops und Battles weitergegeben.

Wo stehen Sie mit Ihrem kulturellen Schulprofil heute?

  • Wir pflegen unsere langjährige Kooperation mit dem Museum der Dinge (diese Projektarbeit ist im Curriculum der PDA-Ausbildung fest verankert).
  • Außerdem besteht eine Kooperation mit dem Berliner Ensemble (TUSCH- Theaterpartnerschaft im 2. Jahr).
  • Und eine Kooperation mit der Schlesischen 27 – Kunst und Bildung.
  • Von der Schülerschaft bereits heiß geliebt ist der einmal im Jahr stattfindende Poetry Slam Workshop mit abschließendem Battle (dieses Format ist im Curriculum der 11. Klassen des beruflichen Gymnasiums verankert).
  • Außerdem findet regelmäßig eine Projektwoche kurz vor den Sommerferien statt, in der sich alle Bildungsgänge mischen (hier profitieren wir sowohl von eingeladenen Künstler*innen, als auch von eigener Erfahrung).
  • Die Wochenwand wird von unterschiedlichen Klassen und einzelnen Schülergruppen als innerschulisches Kommunikationsformat genutzt.

 

Interview mit:
Rahel Böhlke und Barbara Dzialach
Max-Bill-Schule
OSZ Planen I Bauen I Gestalten
November 2020