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Projektdetails:

Was hast du während des Shutdowns über Freiheit gelernt?

#Kunstgeld-Projekte in Corona-Zeiten

Gefährdete Demokratie?

Drei künstlerische Ausrufezeichen

Was ist eigentlich Meinungsfreiheit? Darf ich wirklich alles sagen? Und was gefährdet die Demokratie? Ursprünglich als ein künstlerisches Wandertagsformat zu Kultur- und Gedenkorten der Stadt geplant, rückt die Coronakrise die Projektfragen des Fachbereichs Geschichte/Politik der Bettina-von-Arnim-Schule in ein neues Licht:

Zurzeit werden Formen des gesellschaftlichen Miteinanders neu verhandelt. Wir erleben, wie bürgerliche Freiheiten eingeschränkt werden und sich andererseits der öffentliche Austausch neue Kanäle sucht. Wir erleben neue Formen der Grenzziehung, aber auch neue Formen der Solidarität. Die Schüler*innen und Lehrenden des Fachbereichs Geschichte/Politik der Bettina-von Arnim-Schule nähern sich deshalb den aktuellen Herausforderungen demokratischer Kultur über Vermittlungsmaterialien, die von Künstler*innen entwickelt wurden.

Formate und Künstler*innen

So nimmt Nina Behrendt in ihren Impulsen Freiheit in Zeiten von COVID 19 in den Blick: Ist es positiv mal frei zu haben oder brauchen wir dafür Freiraum? Die Schüler*innen sind eingeladen, sich Videobotschaften aus der Zukunft zu schicken. Vom Sommer 2021 fiktiv zurück gesprochen: Was hast du während des Shutdowns über Freiheit gelernt? Was gilt es nicht zu vergessen, wovor willst du dich warnen, was ist wichtig?

Rosanna Lovell und Gregor Kasper fokussieren in ihren Handlungsimpulsen das Zuhören als kreative und künstlerische Praxis, um Orte und das an ihnen stattfindende Leben (besser) kennenzulernen. Wie klingt der öffentliche Raum in Zeiten von “Corona”? Wie hört sich Demokratie an, in der Stadt, in der Schule, in der Nachbarschaft?Und wie können demokratische Prozesse hörbar gemacht werden?

Das Vermittlungsformat von Victoria Tomaschko schließlich nimmt Bildpolitiken in Zeiten von Corona und darüber hinaus in den Blick. Im Fokus steht dabei das Medium Fotografie: Das Verhältnis von Bild und Text, von Ausschnitt und Perspektive wird am Beispiel der aktuellen Corona-Berichterstattung auf den Prüfstand gestellt und mit eigenen Bildkompositionen erprobt.

Projektdetails:

Der „Nehring-Kinder-Lese-Rat“ wird zu einem Lernraum nicht nur für das Lesen, sondern auch für Digitales – und er verbindet die beiden Bereiche auf besondere Weise miteinander.

#Kunstgeld-Projekte in Corona-Zeiten

Analog – digital

Der „Nehring-Kinder-Lese-Rat“  

13. März 2020, Covid-19-Pandemie: Schließung der Schulen. Die Projektverantwortlichen des „Kinder-Lese-Rates“ der Nehring Grundschule in Charlottenburg-Wilmersdorf beschließen, in den digitalen Raum umzuziehen. Ab sofort trifft sich die Klasse nun einmal in der Woche im Plenum des digitalen Klassenzimmers. Das erste Treffen wird zu einer großen Freude. Wiedersehen auf kleinen Kacheln eines Bildschirms. Die Funktion des Stumm- und Freischaltens beherrschen die Fünftklässler*innen schon in der zweiten Sitzung (fast) perfekt.

Was im Laufe der nächsten Wochen entsteht ist ein neues Projekt – ein gemeinschaftliches Versuchsfeld für die Kinder und die Erwachsenen: Der „Nehring-Kinder-Lese-Rat“ wird zu einem Lernraum nicht nur für das Lesen, sondern auch für Digitales – und er verbindet die beiden Bereiche auf besondere Weise miteinander.

Kann Sprache Spaß machen?

Der „Kinder-Lese-Rat“ der Nehring Grundschule wurde im Frühjahr 2020 gegründet. Entwickelt worden ist er im Rahmen des Kulturagenten-Programms, um die Lesekompetenz der Schüler*innenschaft zu verbessern und einen Raum für Teilhabe und Selbstwirksamkeit zu schaffen, der von den Kindern aus gedacht und gebildet wird.

Ursprünglich wollten die Schüler*innen im Lese-Rat exemplarisch untersuchen, wie Sprache Spaß machen und vielfältig anregen kann. Unter den veränderten Bedingungen wurde dieses Vorhaben um die Frage erweitert: Wie kann das in einem digitalen Rahmen gelingen?

Die beteiligte Regisseurin Anja Scheffer, die Lehrerin Nicole Jezewski und die Kulturagentin Katharina Stahlhoven sind keine Expertinnen für Medienkunst oder -pädagogik. Technische Fragen stellten sich ihnen bei der Umplanung deshalb genauso, wie Fragen nach Datenschutz oder geeigneten Gruppengrößen in digitalen Konferenzräumen. Vor allem aber standen die drei vor der Herausforderung, mit einem künstlerischen Projekt die Selbstbestimmtheit von Kindern zu fördern, ohne mit ihnen in direktem Kontakt zu stehen.

Literatur in digitale Medien umsetzen

Am Ende stellte das Konzept den Kindern aber ein Höchstmaß an Freiraum für Ideen zur Verfügung: Die Schüler*innen dachten sich eigene künstlerische Bearbeitungsformen aus, anhand derer sie sich mit jeweils einem Kapitel des Buchs „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner beschäftigten und die sie digital an die Gruppe übermittelten.

So entstanden kleine gespielte Szenen, StopMotion-Filme, der Scan einer selbst gezeichneten Bildergeschichte, ein gesprochener Text als Audiodatei u.v.m. In einer unglaublichen Bandbreite von medialen Zugängen und Bearbeitungsformen zeigten die Kinder, wie sie den Transfer von Literatur in digitale Medien umsetzen konnten. Aus den unterschiedlichen Schnipseln entstand am Ende eine gemeinsame Collage des Buches.

Durch individuelle Beratungstermine ermöglichten Anja Scheffer, Nicole Jezewski und Katharina Stahlhoven einen hohen Grad an Binnendifferenzierung. In den Terminen stellten die Kinder auch Fragen zum Schneiden von Filmen: Wie übermittle ich große Datenmengen? Wie kann ich eine Stimme oder einen Hintergrund austauschen? Lernmomente, die ihnen in einem Schulalltag ohne Corona-Haus-Aufgaben wahrscheinlich nicht begegnet wären.

Und dennoch: Die Arbeit im Digitalen ist zeit- und personalaufwändig und ersetzt nur bedingt die sinnliche Arbeit im Analogen. Auch ist bekannt, dass die Bedingungen des Zuhausearbeitens nicht für alle Kinder gleich sind. Auch nach sieben Wochen konnten zwei Kinder der Klasse nicht erreicht werden, weil den Familien die Endgeräte fehlten. Daran wird gearbeitet, nach wie vor.